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Das Heidelberger Manifest

Der Unterwasserraum

Der Unterwasserraum ist ein ebenerdiger, mit klarem Wasser gefüllter magischer Raum. Zumeist farbig-graphisch angelegt, mit Kompositionen aus unter der Oberfläche liegenden, lebensgrossen Figuren oder realen Gegenständen und architektonischen Konfigurationen des Alltags, bezieht er seinen Reiz aus der ihm inneliegenden Distanz, der Nichtbetretbarkeit.

Sein Wasser ist ruhig, höchstens mäßig bewegt und kristallklar, wobei eine seiner ambivalenten Eigenschafen, je nach Blickwinkel und Beleuchtung sowohl spiegelnd als auch transparent sein zu können, eine entscheidende Funktion inne hat.

Der Zustand des Spiegelns, des Fernhaltens vom Blick in das Innere entsteht beim Betrachten aus flachen Sehwinkeln, wohingegen sich der Schleier der Reflektion beim Nähertreten verflüchtigt, nämlich dann, wenn das Beckenbild zu Füßen liegt und nun ein senkrechterer Sehwinkel möglich wird. Jetzt erst gelingt es, dem Geheimnis des verborgenen Raumes für einen Moment etwas zu entreißen, jedoch der Schleier beginnt sich unauffällig wieder zu schließen, wenn der Blick anfängt, hinwegzuschweifen.

Nicht weniger wichtig ist eine andere physikalische Eigen-schaft des transparenten Wassers, nämlich die Fähigkeit, als optischer Körper wirken zu können. Unter der Oberfläche liegende Objekte werden, je flacher der Betrachtungs-
winkel ist, als zusammengestaucht wahrgenommen, während der vertikale Blick in ein Becken dieselben unverzerrt erscheinen läßt.

Obwohl es sich beim Unterwasserraum um ein plastisch, architektonisches Gebilde handelt, hat die mysteriöse Erscheinung der sich ständig neu darstellenden Oberfläche Bildcharakter und ist einer im Grenzbereich zwischen dem Außen und dem Innen vermittelnden Haut vergleichbar, die den Wunsch erzeugt, das flirrende Spiel der Oberfläche durchdringen zu können, ihr einen kurzen Blick auf den Kern zu entreißen.

Wolfgang Robbe: Aus seiner öffentlichen, begleitenden Erklärung zum Ausstellungskatalog Wolfgang Robbe - Unterwasserräume, Heidelberger Kunstverein, 2001

 

 

Das Brunnenmanifest

Der „Unterwasserraum“ ist eine neue Form des Brunnens.

Meine Brunnen sind stille Wasser, die in einem ausgewogenen Verhältnis das dynamische Gleichgewicht von erfahrbarer Innen- und Außenwelt repräsentieren. Das Bild ihrer wahrnehmbaren Oberfläche verändert sich von Moment zu Moment.

Meine Brunnen wollen dem Himmel keine schäumenden Eruptionen entgegenschleudern - je tiefer und unergründ-licher sie zu sein scheinen, umso heller leuchten sie.

Meine Brunnen sind magische Orte,
die beobachtet werden wollen.

Meine Brunnen sind leise. Sie wollen eine Verbindung zum größten Teil dessen, was existiert, dem Nichtsichtbaren herstellen. In der Stille lässt sich Spektakuläres entdecken.

Meine Brunnen scheinen keine Brunnen zu sein. Ihr klares Wasser ist aber in einem ständigen Austausch- und Reinigungsprozeß, vergleichbar einem Organismus, der unauffällig seine Arbeit verrichtet.

Meine Brunnen sind Lebewesen, die geliebt werden wollen. Sie müssen, so wie eine Blume gegossen oder ein Feld bestellt werden muß, gepflegt werden. Pflege ist Ausdruck von Liebe und Liebe ist Freude, ist Leben. Alles, was nicht durch liebevolle Zuwendung gepflegt wird, vergeht.

Wolfgang Robbe, 07/2002

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